Das Pionierprojekt 'Der Teilzeitmann', welches 2012 lanciert wurde, trägt Früchte: Seither ist der Anteil an Männern, die eine Teilzeitstelle besetzen, von 332000 auf 400000 gestiegen. Jürg Wiler ist Leiter dieser Kampagne und selbst auch 'Teilzeitmann'. «Der gesellschaftliche Trend ist klar: Viele Männer wollen Teilzeit arbeiten. Obwohl unsere Kampagne erfolgreich ist, ist der Wandel in Firmen und bei den Arbeitnehmern noch in vollem Gange», erklärt Wiler. Das Projekt  unterstützt  Männer mit Informationen, die sich mit dem Thema Teilzeit befassen wollen.  Eine weitere zentrale Aktivität des Projektes ist es, Firmen und Organisationen  für Teilzeitstellen  zu sensibilisieren. Wiler ist selbst auch Teilzeitmann und Vater von zwei Kindern. Er arbeitet 60 Prozent und widmet sich die restliche Zeit  seiner Familie.

Zufriedener dank Teilzeitarbeit

Dass die Teilzeitarbeit die Lebensqualität erhöht, darüber sind sich Mann und Frau einig. Wenn zudem  die Familienbetreuung aufgeteilt werden kann, ist das eine ideale Ausgangslage, um Müttern den Wiedereinstieg zu ermöglichen. Und für Väter bietet das Sharing die Möglichkeit, einen wesentlichen Anteil der Kinderbetreuung  und der Haushaltsarbeiten zu übernehmen. Die Work-Life-Balance ist in Umfragen unter Angestellten ein Top-Kriterium, insbesondere bei  ganz jungen Arbeitnehmenden. Wer weniger arbeitet, ist zufriedener, leistet aber im Job nicht unbedingt weniger. Die Motivation von Teilzeitarbeitenden ist hoch und Studien belegen, dass diese Mitarbeiter eine niedrigere Fluktuation aufweisen.

Karriere im Teilzeitmodell?

Wer eine Führungsposition im Teilzeitmodell anstrebt, muss sich bewusst sein, dass dazu mindestens ein 60-Prozent-Pensum nötig ist. Teilzeit in der Führung ist möglich, wenn zum Beispiel der Stellvertreter kompetent entscheiden kann, seine Philosophie und Wertehaltung mit jener des Chefs übereinstimmen sowie das Team selbständig agieren kann. Bei einem Jobsharing, bei welchem sich zwei Personen eine volle Stelle teilen, besteht auch die Möglichkeit, Führungsaufgaben zu 50 Prozent zu teilen. Generell  müssen Teilzeitarbeitende im Betrieb besonders darauf achten, dass sie denselben Informationsstand haben wie ihre Kollegen. Daher gilt es die Beziehungen zu pflegen und Informationen auszutauschen.

Firmenkultur ist massgebend

In welchen Firmen sind Teilzeitstellen möglich? «Der Entscheid, ob Teilzeitstellen bewilligt werden, hängt von der Firmenkultur und dem direkten Vorgesetzten ab», erklärt Wiler. Bei grossen Firmen besteht ein reges Interesse am Thema. Statistisch gesehen sind die meisten Teilzeitstellen mit einem Anteil von 40 Prozent jedoch nach wie vor bei Kleinstbetrieben zu finden. In der Wissens- und Dienstleistungsbranche sind Teilzeitstellen von Interesse, wenig Resonanz ist hingegen bei den Branchen Industrie, Bau und Handwerk zu spüren.  Ein grosses Thema sind Teilzeitmodelle nach einem Wiedereinstieg bei Mutterschaft. Meist reduzieren Mütter ihre Pensen, was die Arbeitgeber dazu auffordert, nach Lösungen zu suchen.  In solchen Fällen ist es wichtig, bereits vor dem Mutterschaftsurlaub die Möglichkeiten mit dem Vorgesetzten zu besprechen.